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aufmerksamkeit
die aufmerksamkeit seines hundes zu bekommen ist für jeden hundebesitzer, aber auch für den hund, harte arbeit.
da jedoch aufmerksamkeit die erste stufe des lernens ist, lohnt es sich, sich darüber gedanken zu machen. wenn man mit
seinen gedanken ganz woanders ist, sich nicht auf die zu erledigende aufgabe konzentriert, kann man nichts lernen, ja, es
ist auch unmöglich, erlerntes und / oder bereits tausendfach getanes richtig auszuführen.
es gibt für aufmerksamkeit einen bereich im hirnstamm, quasi ein "managment-zentrum für informationsverarbeitung". die
aufgabe dieses zentrums ist es, nicht nur die reize, die zu jeder zeit auf uns alle einstürmen, sondern auch die bereiche
zu koordinieren, die diese von außen kommenden reize im gehirn verarbeiten und weiterleiten.
managen heißt nichts anderes als: veranlassen zu tun. dieser bereich muss aktiv sein, um aufmerksamkeit zu ermöglichen -
quasi abzurufen.
das "managment-zentrum für informationsverarbeitung" lässt sich aufteilen in:
- cholinerges system
- dopaminerges system
- serotonines system
- und noradrengeres system
das cholinerge system ragt dabei heraus, es reizt den thalamus direkt und schafft damit die voraussetzung für den transport
von informationen.
bei höheren lebewesen aktiviert das cholinerge system auch kernbereiche im vorderhirn und versorgt von dort aus das ganze
großhirn mit acetylcholin. acetylcholin ist wichtig für die erregungsübertragung zwischen nerv
und muskel. außerdem stimuliert es die schweißsekretion der schweißdrüsen und es scheint erwiesen, dass acetylcholin eine
maßgebende rolle bei kognitiven prozessen und lernvorgängen spielt.
dopamin, serotonin und noradrenalin gehören zu den neurotransmittern. neurotransmitter sind botenstoffe des nervensystems,
die die nervenzellen erregen oder hemmen. im weitesten sinne gehören die neurotransmitter zu den hormonen.
dopamin wird für eine reihe von lebensnotwendigen steuerungs- und regulierungsvorgängen benötigt.
es reguliert die durchblutung innerer organe (speziell der bauchorgane, steuerung der nierentätigkeit) und ist wichtig für
koordination und motorik. vereinfacht ausgedrückt: dopamin gibt die befehle des nervensystems an die muskulatur weiter.
außerdem steuert dopamin konzentration, antrieb, motivation, appetitregulation, und kognitive leistungsbereitschaft und
es scheint die wahrnehmungsfähigkeit erheblich zu steigern.
ununterbrochen ist jedes lebewesen einer flut von außenreizen (wahrnehmungen, empfindungen, eindrücken und gefühlen)
ausgesetzt. ein durchschnittlicher organismus kann von diesen außenreizen nur etwa 10 - 20 % bewusst aufnehmen.
ein zuviel führt dazu dass er nicht mehr bewerten kann, was wichtig ist und was nicht (reizüberflutung).
dopamin ist zuständig für die förderung von stimmung und glücksgefühlen und die feinkoordination der antwort auf akuten
stress, immer in zusammenwirkung mit dem eher dämpfenden serotonin und den aus dopamin gebildeten noradrenalin und adrenalin.
das größte vorkommen von dopamin findet man, in der sogenannten substantia nigra, einer nervenzellenansammlung im hirnstamm.
serotonin wirkt sich aus auf das erinnerungs- und lernvermögen, appetitkontrolle (serotonin übermittelt dem gehirn, ob wir
satt oder hungrig sind), verhaltensweisen, sexualität, vorstellungskraft, schlafverhalten, depression, die regelung der
körpertemperatur, muskelbewegungen, drüsenfunktionen, schmerz und kontrolle von blutdruck (verengt die blutgefäße) und
kardiovaskulärer funktionen.
noradrenalin ist einer der wichtigsten botenstoffe des zentralen nervensystems und des sympathikus, teil des vegetativen
nervensystems. herzkreislauf, atmung, stoffwechsel und die magen-darmfunktionen werden durch das vegetative nervensystem
gesteuert. das erklärt, warum manche menschen und hunde mit magen- und darmproblemen auf stress reagieren.
noradrenalin steigert wie das adrenalin den blutdruck, verändert aber nicht das minutenvolumen und senkt sogar die
pulsfrequenz. zentral steuert es die mentale und psychische stressanpassung. es steigert die motivation, die aufmerksamkeit
und die geistige leistungsbereitschaft. kurzfristig hemmt noradrenalin die immunfunktion und stößt dabei
entzündungsmechanismen an. daher bei kann es bei dauerbelastung und stress zu entzündungen kommen.
bei allen mit stress in verbindung stehenden gesundheitsstörungen kann ein überschuss an noradrenalin festgestellt werden,
meist parallel zu einem serotoninmangel. die auswirkungen eines überschusses oder auch eines im weiteren verlauf
auftretenden mangels an noradrenalin können eine beeinträchtigung der geistigen leistungsfähigkeit zur folge habe und es können
depressionen auftreten.
jedes der oben genannten vier systeme kann relativ große bereiche des großhirns erreichen.
wenn diese vier systeme nicht aktiviert sind, kann das gehirn keine informationen verarbeiten.
deshalb ist es wichtig, dass beim lernen, wo ja das zu lernende bewusst wahrgenommen werden soll, die aufmerksamkeit groß -
das "managment-zentrum für informationsverarbeitung" aktiviert ist.
aufmerksamkeit kann durch innerliche reize - gefühle und andere empfindungen -, oder äußerliche reize - z. b. der
davonspringende hase, spielende artgenossen, vorbeirennende kinder usw. - erregt werden.
angst, schmerzen, unwohlsein lenken von dem ab, was eigentlich getan / gelernt werden soll. ein lernen ist nur sehr schwer,
bis gar nicht möglich. der impuls, dem hasen nachzusetzen oder mit den anderen zu spielen ist übergroß und überdeckt den
schwächeren reiz, der von der zu erfüllenden aufgabe ausgeht.
nicht alles, was als reiz wahrgenommen wird, wird auch als wichtig eingestuft und führt zu einer reaktion. die selektion
dessen, was für das lebewesen von bedeutung ist, ist eine der aufgaben des "managment-zentrums für informationsverarbeitung".
die verschiedenen reize werden ständig auf wichtigkeit und unwichtigkeit überprüft und dementsprechend eingestuft. beim
lernen von neuem, oder abarbeiten wichtiger aufgaben sollte man also am besten darauf achten, dass nur wenige umweltreize vorhanden
sind und man die motivation zum lernen hochhält. dabei sollte die motivation allerdings ein gewisses maß nicht übersteigen,
da übermotiviertheit wiederum hemmt.
ständige wiederholungen von ein- und denselben reizen lassen mit der zeit die aktivierung des gehirns erschlaffen -
langeweile breitet sich aus.
ständige überreizung wird als stress wahrgenommen und führt zu unkoordinierten, weil nicht mehr verarbeitbaren handlungen
oder zu einer völligen verweigerung der wahrnehmung.
zu große aufregung lässt die konzentration absinken, führt im extremfall zum schock.
wie ein umweltreiz wahrgenommen wird, entscheidet das jeweilige individuelle gehirn. für den einen hund ist ein
vorbeifahrendes auto nicht der aufmerksamkeit wert, ein anderer hund tickt völlig aus.
in diesem zusammenhang spielt auch die momentale gefühlslage, der gesundheitszustand und die lebenserfahrung eine wichtige
rolle. ein hund, der im laufe seines lebens vielen wohldosierten umweltreizen ausgesetzt war und der die gelegenheit hatte,
diese umwelt- oder außenreize in ruhe zu verarbeiten, wird sie einfacher und bewusster aufnehmen, einsortieren und verarbeiten können, als ein hund, der
nichts oder nicht viele erfahrungen sammeln konnte.
für die optimale erregung von aufmerksamkeit sind auch noch andere faktoren wichtig:
- licht
im winter kann es durch den lichtmangel zur sogenannten winterdeppression kommen.
die konzentrationsfähigkeit ist niedriger, als im sommer. umwelt- und außenreize werden nicht so gut verarbeitet
- ernährungszustand - hunger oder sattsein
ein voller magen arbeitet nicht gern, aber wenn man tagelang nichts gegessen hat, kann man
auch nicht gut arbeiten
- die innere uhr
die auf die netzhaut auftreffenden lichtimpulse werden direkt ins gehirn transportiert und dieses
entscheidet über den bewußtseinszustand. ist es hell, verhindert das gehirn schläfrigkeit, ist es dunkel, wird auf ruhe
und schlaf umgeschaltet.
ist es hell, ist jedes lebewesen (außer den nachtaktiven) aufnahmebereiter, weil aufmerksamer. ist es dunkel, bleibt
es eher schläfrig.
fazit
ein jeder, der mit seinem hund etwas neues lernen, oder bereits erlerntes vertiefen will, sollte sich das oben geschriebene
immer vor augen halten und sich danach richten.
bei jedem neu zu lernenden kommando die ablenkung (außen- oder umweltreize) möglichst niedrig halten.
bereits erlerntes wird durch hinzufügen und langsame steigerung der außenreize vertieft.
die einzelnen übungsschritte dabei so klein halten, dass der hund die gelegenheit hat, das erlernte wirklich aufzunehmen
und zu verstehen.
wenn an einem bestimmten tag einmal "garnichts geht", dann nicht verzweifeln, einfach mal ne pause einlegen, darüber nachdenken,
woran es liegen mag.
vielleicht
- waren die tage vorher recht stressig für den hund - oder für mich selbst?
- ist die ablenkung durch andere hunde / menschen / gegenstände zu groß?
- ist meine laune kontraproduktiv an diesem tag (ich hatte ärger, oder mein kind ist krank oder ich habe
sorgen, oder es geht mir nicht gut, ich bin krank)
dann einfach eine übung machen, von der man weiss, dass der hund sie "im schlaf" beherrscht und zuverlässig ausführen
wird, loben, leckerchen geben und dann die übungsstunde für diesen tag abbrechen. es kommen noch so viele tage, an denen
geübt werden kann und an denen man die volle aufmerksamkeit und die freude seines hundes am
üben und trainieren hat.
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