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die "treppe der eskalation"
jeder hund durchläuft bei stress gewisse stadien der angst oder aggression (ärger, wut), die man sich gut als treppe
vorstellen kann, die der hund stetig nach oben steigt.
zuerst, ganz am fuß der treppe, befindet er sich im "normalzustand", d. h. er zeigt keine reaktion, da noch kein angst-
oder aggressionsauslöser wahrgenommen wurde.
bemerkt der hund nun einen solchen stressor, so wird er zu allererst ...
- mit leichten beschwichtigungssignalen, wie blinzeln,
lippenlecken, schmatzen usw. reagieren. werden diese nicht beachtet - kann sich das tier also dadurch nicht aus der
situation mit der es nicht zurechtkommt lösen - versucht es...
- ... sich der situation zu entziehen, oder sich deckung zu verschaffen (hinter dem besitzer, unter tisch oder bank).
gelingt dies nicht, weil die leine kurz und straff gespannt ist und der hund evtl. auch gar noch näher herangezogen wird,
dann folgen als nächstes...
- ... stärkere beschwichtigungssignale wie körper wegdrehen, kratzen, hektisches hin- und herlaufen, unkonzentriertes
am boden herum schnüffeln usw. werden auch diese nicht beachtet und führen nicht zum erfolg...
- ... versucht der hund zu fliehen. gelingt das wiederum nicht, geht er nun über zum...
- ... bellen, welches aber oft auch keine rettung aus der überforderung bringt und deshalb wird er zu...
- ... übersprungs- oder ersatzhandlungen übergehen, d. h. der hund fängt z. b. an hektisch in die leine zu beißen
und daran zu zerren, er springt am besitzer hoch, zwickt in arme oder kleidung, reißt evtl. grasbüschel aus, fängt an nach
mäusen zu buddeln usw. bringt auch das keine hilfe wird der hund ...
- ... knurren (je tiefer das knurren, um so ernst gemeinter ist es gemeint). das knurren kann zwei reaktionen
auslösen:
a) der angeknurrte (mensch oder tier) weicht zurück und der hund hat sich damit aus der
bedrohlichen situation befreit. er erkennt das knurren als problemlösung und setzt es in vielen
anderen situationen ein.
b) die situation entspannt sich dadurch nicht, der besitzer schimpft den hund gar noch, reißt an der
leine, zerrt ihn noch näher an sich heran, dann wird der hund übergehen zum ...
- ... zähnefletschen. bei erfolglosem versuch geht er zum ...
- ... schnappen über. zeitigt schnappen keinen erfolg …
- ... wird der Hund zubeißen ...
graphisch dargestellt sieht das folgendermaßen aus:

man kann die "treppe der eskalation" auf jeder der stufen unterbrechen, indem man den hund aus der für ihn bedrohlichen
situation, mit der er nicht umgehen kann, herausbringt. das bedeutet nun nicht, mit hektischem leinengerucke oder "pfui"-
geschreie zu reagieren, da das im ungünstigen fall sogar noch mit dem auslöser der angst / aggression verknüpft wird.
vielmehr orientiert man sich, was den hund reagieren lässt und bietet ihm dann entweder eine deckungsmöglichkeit (mit stuhl
abschirmen, jacke als barriere aufhängen) oder man bringt ihn aus der situation heraus, indem man einfach mit ihm weggeht.
auf gar keinen fall sollte man erlauben, dass der hund in eine situation gedrängt wird, aus der er keinen ausweg mehr
sieht, sich vom besitzer (der ja sicherheit bedeuten soll) im stich gelassen fühlt und gezwungen ist, sich selbst helfen
zu müssen.
absolut kontraproduktiv wäre es, alle signale zu missachten oder gar zu bestrafen. unterbindet man nämlich einzelne
(oder mehrere) sequenzen der "treppe", z. b. das knurren, so wird dieses verhalten aus dem repertoire des hundes
vollständig gelöscht werden und der hund geht (im beispielfall ständiges verbieten von knurren) von der treppenstufe
"übersprungshandlungen" direkt über zur stufe "zähnefletschen". dies spielchen kann man weitertreiben, bis alle
"treppenstufen" gelöscht sind und der hund direkt von der stufe "keine reaktion" zu stufe "der hund beisst zu" übergeht ...
man hat damit einen hund "erzeugt", der scheinbar ohne vorwarnung angreift.
tagtäglich kann man hunde beobachten, bei denen die reaktionen der treppe modifiziert oder nur noch unvollständig ablaufen,
die also schon gelernt haben, dass bestimmtes vorgehen in gewissen situationen keinen erfolg bringt, während anderes
sehr effektiv ist.
dabei ist es doch so einfach, die ersten beschwichtigungssignale zu beachten und das tier aus der für ihn bedrohlichen,
angst und / oder wut erzeugenden situation herauszubringen.
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