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lernen
ein lebewesen kann NICHT nicht lernen.
lernen ist etwas, das immer stattfindet, egal ob der hund alleine einfach so seiner wege geht oder ob wir gerade etwas
mit ihm trainieren / tun. der hund lernt, um seine eigene momentane situation zu verbessern (z. b. werden kontinuierlich
die jagdstrategien geübt und vervollkommnet). er lernt nicht, um seiner besitzerin / seinem besitzer zu gefallen, sondern
allein deshalb, weil es ihm zum eigenen vorteil gereicht. der hund hat keine moral - das wäre menschlich gedacht und somit
unfair ihm gegenüber - sondern er tut genau das, war ihm in genau diesem augenblick das meiste einbringt mit dem geringsten
aufwand an energie. er unterscheidet nicht, ob seine handlungen gut oder schlecht sind, er tut das, was für ihn das
angenehmste ist!
innerhalb der klassischen lerntheorie gibt es je zwei verschiedene möglichkeiten, den hund zu
belohnen, beziehungsweise zu strafen.
a) positive belohnung (plus)
etwas für den hund angenehmes kommt hinzu.
beispiel: der hund setzt sich und erhält ein leckerli.
b) negative belohnung (minus)
etwas für den hund unangenehmes fällt weg.
beispiel: der druck auf das hinterteil des hundes entfällt, sobald er sich setzt.
c) positive bestrafung (plus)
etwas für den hund unangenehmes kommt hinzu.
beispiel: der hund springt hoch und wir treten ihn fort.
d) negative bestrafung (minus)
etwas für den hund angenehmes fällt weg.
beispiel: der hund springt hoch und wir wenden uns, sein verhalten ignorierend, ab.
grün: positive (additive) bestärkung B+ und negative (subtraktive) strafe S- fördert und erhält die motivation
und das vertrauen des hundes.
rot: negative (subtraktive) bestärkung B- und positive (additive) strafe S+ sät mißtrauen und fördert flucht-
und meideverhalten
was passiert im gehirn beim lernen?
- verknüpfung von neuronen zu nervenzellsträngen (einzelne hirnzellen werden miteinander verknüpft).
- es entstehen im gehirn leitungsbahnen ("straßen"). straßen, die öfter befahren werden, werden "breiter" (sog.
"datenautobahnen").
> auf diesen datenautobahnen wird schneller und sicherer zugriff auf die daten möglich und das
verhalten erfolgt schneller.
> daten, die nicht so oft abgerufen werden, werden als unwichtig eingestuft, zugriff nicht so schnell
und sicher möglich.
> nicht mehr gebrauchte daten werden gelöscht.
- mit der zeit entsteht eine "landkarte" im gehirn.
> bestimmte nervenzellgruppen stehen für bestimmtes verhalten (repräsentation).
- ahnliches wird zu ahnlichem abgelegt, die erfahrung steigt und neue erfahrungen sind leichter. wissen, das
miteinander im zusammenhang steht, kann noch schneller abgerufen werden.
- lernen sollte abwechslungsreich sein, die motivation im mittel gehalten (übermotivation ist fast ebenso schlecht
wie keine motivation), ideal dafür neues zu lernen durch verknüpfung = 0,5 sek.
- lernen steigert die intelligenz, da das gehirn flexibler wird, auf immer mehr erfahrungen zurückgreifen kann
- nichts lernen können/dürfen verdummt (zwingerhunde, die nichts erleben, keine erfahrungen sammeln können).
gedanken zum thema
die belohnung oder strafe sollte idealerweise innerhalb 0,5 sekunden nach dem auftreten eines erwünschten oder unerwünschten
verhaltens erfolgen, um den größten lernerfolg zu erzielen.
leider zeigt sich ein lernerfolg bei allen arten von belohnung oder strafe, auch bei den tierschutzrelevanten.
wird etwas mit strafe verknüpft erlernt, sollte man nie aus den augen verlieren, dass hunde kontextbezogen lernen, d. h.
sie verknüpfen außenreize, umwelteinflüsse und die umgebung mit dem soeben gelernten, was wiederum bedeutet, dass die
strafe durchaus mit völlig unbeteiligten dingen - oder menschen - verknüpft werden kann und man sich so ein ungleich
größeres problem schaffen kann.
beispiel:
der hund kommt zufällig mit der schnauze an einen schafszaun, der unter strom steht. im augenblick des stromschlages können
die verschiedensten (unerwünschten) verknüpfungen mit dem schmerzreiz entstehen:
- manche hunde meiden danach den zaun
- manche hunde meiden die schafe (rinder, pferde usw.), manche geraten danach sogar richtig in panik beim anblick von
schafen (rindern, pferden usw.)
- wieder andere hunde schauen beispielsweise in diesem augenblick den eigenen besitzer an (andere menschen) und haben von
da an angst vor ihm oder - wenns ganz dumm gelaufen ist - greifen dann menschen, (kinder!), den eigenen besitzer an.
was auch immer wieder vorkommt:
der hund hat ein problem mit anderen hunden, fängt an zu knurren, toben, wird dann vom besitzer mit scharfem "PFUI ist das"
und einem energischen ruck an der leine gemaßregelt. der ruck tut dem hund weh und er verknüpft den schmerz des leinenrucks
mit dem fremden hund. er wird in zukunft also noch viel mehr fremde hunde hassen und sie angehen.
als worst case oder den absoluten supergau in diesem zusammenhang muss man sich nur vorstellen, das wort "fremder hund"
wurd durch das wort "kinder" ersetzt.
bei einer positiven belohnung und/oder einer negativen bestrafung können genausogut falsche verknüpfungen erlernt werden,
aber diese sind nicht so gefährlich. der hund lernt höchstens, dass die vorbeilaufenden kinder, die er im
augenblick der belohnung zufällig anschaut, als etwas angenehmes - oder zumindestens neutrales - zu empfinden.
zusammenfassung
- die motivation muss stimmen
weder zu hohe noch zu niedrige motivationslage
- darauf achten, dass der hund lernen kann
> nur bei eigener guter stimmung üben
> stress vermeiden
> ablenkung dem ausbildungsstand des hundes anpassen
- hunde lernen kontextbezogen (durch verknüpfung)
- die verknüpfungszeit beträgt ca. 0,5 sek. nach erfolgreicher ausführung
- erlerntes wird durch viele wiederholungen gefestigt
man geht davon aus, dass ca. +/- 8.000 wiederholungen eines befehls nötig sind, bis der hund diesen wirklich versteht.
- erlerntes muss generalisiert werden
d. h. ein "sitz", das in der küche gut funktioniert, muss noch lange nicht im garten funktionieren. erst durch generalisierung
lernt der hund, dass "sitz" immer bedeutet, sich hinzusetzen, egal wo.
- generalisieren bedeutet:
> ablenkungen einbauen, z. b. andere hunde und / oder tiere, menschen, geräusche, bewegungen
usw.
> wechselnde umgebungen - überall und systematisch üben.
- belohnung
> alles positive (leckerchen, loben, streicheln, spielzeug, schnüffeln dürfen, spielen dürfen)
> ressourcenverwaltung
- arten der belohnung:
> immer - jedes verhalten wird belohnt
> variabel - bei jedem 2., 4., 6., 8. verhalten wird belohnt (variieren)
> jackpot - deutliches abheben von der 08/15-belohnung
- es gibt keinen ungehorsam, sondern:
> kommando wurde nicht wahrgenommen (zu große ablenkung)
> kommando wurde noch nicht häufig genug oder in diesem kontext geübt
> hund ist zu wenig motiviert das kommando zu befolgen
> die situation ist aus sicht des hundes zu gefährlich, um das kommando zu befolgen
- der mensch ist schuld
- den hund nicht in konflikt bringen - unterschiedliche stresstoleranz beachten.
- löschungstrotz oder auf neudeutsch "extinction burst":
aufflackern des verhaltens vor endgültiger löschung - das verhalten (z. b. bellen) wird nochmals sehr stark gezeigt.
dies ist der moment, wo vieles schiefläuft! da das verhalten (z. b. bellen) nochmals sehr heftig und ausdauernd vom hund
gezeigt wird, denkt der besitzer, sein bisheriges training (zum abgewöhnen des bellens) hätte nichts genutzt und bricht ab -
2 m vor dem ziel, bevor das verhalten (z. b. unerwünschtes bellen) endgültig erloschen wäre.
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