Home
Verein
Vereinschronik
info
Downloads
Links
Gästebuch
Für Mitglieder
Impressum


signale die beschwichtigen - "calming signals"

für das rudel des stammvaters unserer hunde, den wolf, ist es tödlich, wenn ein mitglied wegen irgendwelcher verletzungen nicht an der jagd teilnehmen kann. aus diesem grund war es für wölfe essentiell nötig, signale zu entwickeln, durch die eine offene auseinandersetzung zwischen den mitgliedern des rudels vermieden werden kann. diese signale hat der wolf an seine nachfahren, die hunde, weitergegeben. es gibt neben den aggressionssignalen, welche durch drohen und demonstrieren von stärke einen offenen kampf vermeiden sollen auch signale, die beschwichtigen oder beruhigen.

beschwichtigungssignale (CS) sind allgemein verständlich für alle hunde, sie können zwar von einzelnen tieren verlernt werden, wenn ihre anwendung nicht zum erfolg führt, bzw. permanent vom besitzer ignoriert / unterdrückt wird, sie werden aber ebenso schnell wieder erlernt, wenn der hund gelegenheit bekommt sie zu trainieren, denn sie gehören zum instinktiven verhalten, zur körpersprache und sind angeboren.

es kann sein, dass ein bestimmtes CS gegeben wird, welches dann mit einem anderen CS beantwortet wird, denn es scheint so, als hätten bestimmte hunde bestimmte "lieblings-CS", die sie immer wieder anwenden, während sie andere überhaupt nicht benutzen.
interessant ist auch, dass auch blinde hunde CS anwenden, ebenso wie langhaarige hunde, deren augen vom fell verdeckt sind.

wenn man die beschwichtigungssignale der hunde kennt, kann man in ihnen lesen wie in einem offenen buch. man sieht hundebegegnungen oft mit anderen augen. die CS, die hunde menschen (z. b. ihrem besitzer) gegenüber anwenden, helfen oftmals ein verhalten des hundes zu erklären, welches vorher völlig unverständlich war. auch kann man sein eigenes verhalten seinem eigenen hund gegenüber immer wieder gut überprüfen und gegebenenfalls ändern, wenn man ihn zu sehr bedrängt oder in machen situationen unbewusst bedroht und/oder ihm angst macht, ohne dies eigentlich zu wollen.
man kann situationen im vorfeld entschärfen und somit verhindern, dass probleme im alltag überhaupt entstehen.
so sollte man z. b. immer genau beobachten, ob und wann hunde kinder beschwichtigen. hunde werden von kindern oft ungewollt zu sehr bedrängt, von den ungeschickten patschehändchen wird ihnen wehgetan. beachtet man die beschwichtigungssignale, hat der hund keinen grund, das kind anzuknurren oder sich gar durch schnappen oder beissen selbst aus der für ihn ausweglosen situation zu befreien und es könnten wohl nahezu alle beissunfälle mit kindern verhindert werden.

allerdings sind beschwichtigungssignale nicht immer als beschwichtigung gemeint. alle CS, z. b. am boden schnüffeln, pinkeln usw., muss man im gesamtkontext betrachten, um sie richtig interpretieren und einortnen zu können. manchmal senden hunde CS auch einfach so aus, so wie wir menschen uns z. b. aus verlegenheit am ohr kratzen.

beschwichtigungssignale selbst einsetzen kann man, indem man sich dem hund höflich nähert, einen bogen läuft, ihn nicht direkt anstarrt, oder anlächelt (zähnefletscht). auch hilft es oft, sich seitlich abzuwenden oder in die hocke zu gehen, um weniger bedrohlich zu wirken.

beim spazieren gehen an der leine kann man dem hund das leben erleichtern, indem die leine immer leicht durchhängt, der hund nie an der straff gespannten leine herangezogen wird. man kann bögen laufen und ausweichmöglichkeiten lassen, den eigenen körper zwischen den hund und die ihn verunsichernde situation - fremder hund, mensch, etc. bringen.

ganz wichtig: bei anäherung eines fremden hundes immer auf die beschwichtigungssignale des eigenen und des fremden hundes achten.



beschwichtigungssignale werden angewendet bei:

  • streit
  • hektik
  • stress
  • unwohlsein



  • sie beschwichtigen:

  • den hund selbst
  • andere hunde
  • menschen
  • tiere, auch beutetiere bei der jagd




  • calming signals / beschwichtigungssignale sind:
    (erhebt keinen anspruch auf vollständigkeit)


    wegschauen/augen-kontakt unterbrechen / kopf wegdrehen
    hund dreht den kopf zur seite, meidet blickkontakt mit demjenigen, der beruhigt werden muss (besitzer/anderer hund o.ä.). gelegentlich wird der kopf weggedreht, manchmal weichen auch nur die augen aus.
    da direkter blickkontakt unter und bei hunden als unhöflich gilt, wird er sowieso vermieden und das wegschauen / kopfwegdrehen ist ein sehr häufig gezeigtes beschwichtigungssignal.





    sich ganz abwenden / den rücken zuwenden
    der hund wendet die seite oder den rücken zu, oft beim schmusen, streicheln oder kraulen
    "sieh her, ich wende dir meine ungefährliche seite zu (die ohne zähne), ich bin ganz friedlich, du kannst mich ruhig streicheln..."





    kopf senken
    wird oft auch als "schlechtes gewissen" des hundes missdeutet - "der weiß genau, dass er was angestellt hat ..."



    blinzeln, augen zusammenkneifen
    passiert oft so schnell, dass man es nicht sieht. wird auch oft zusammen mit wegschauen und/oder kopf wegdrehen oder sich über die schnauze lecken gezeigt.





    sich die schnauze / nase lecken
    ist wohl das häufigste beschwichtigungssignal, manchmal sieht man nur kurz die zungenspitze, manchmal wird deutlich sichtbar über die schnauze geleckt. es wird oft in situationen angewandt, in denen der hund angespannt ist, z.b. wenn man sich über ihn beugt oder gerade auf ihn zugeht.





    langsame bewegungen / immer langsamer werden
    dieses beruhigungssignal wird sehr oft missverstanden und löst beim menschen eine konträre reaktion aus, d. h. der hund wird ermahnt schneller zu gehen. je mehr wir den hund jedoch dazu auffordern, umso langsamer wird er, da mensch und hund aneinander "vorbeireden". dies ist wohl das typischste CS schlechthin, sieht man es doch bei jeder BH-prüfung, wenn hunde bei der freifolge im fuß hinterher schleichen. je gereitzter "mensch" nun reagiert und den hund beschleunigen will, desto langsamer werden dessen bewegungen werden, bis hin zum völligen "einfrieren", erstarren.



    spielposition einnehmen / spielverbeugung / -aufforderung / sich
    albern aufführen / mit den vorderbeinen nach unten gehen - vorderkörpertiefstellung

    oft wird es beim spielen benutzt, aber auch bei großen tieren, da hunde diese oft nicht einschätzen können. man sieht dieses signal auch bei hunden oder wölfen, die ein beutetier - vor allem große - gestellt haben und damit sich und die beute beschwichtigen. dieses beschwichtigungssignal wird oft zusammen mit gähnen und/oder strecken gezeigt.





    sich hinsetzen / hinlegen
    man ruft seinen hund, er kommt ein stück näher, setzt oder legt sich dann hin; ungehorsamer hund? nein, der hund versucht nur gute laune zu machen, man soll beruhigt werden - viele menschen merken dies aber nicht



    gähnen
    eines der meistbenutzten CS überhaupt. es kommt sehr oft vor, dass hunde in bestimmten situationen gähnen; dieses CS kann man als mensch sehr gut benutzen, um angespannte situationen zu entschärfen - es wirkt zwar nicht sofort, aber eigentlich immer.





    scheinbar ziellos herumschnüffeln / am boden schnüffeln
    wird ebenso oft missverstanden wie das immer langsamer werden. wenn der hund schnüffelt, während er auf einen artgenossen zugeht, lassen sie ihn das tun. sollten sie es unterbinden, stören Sie die kommunikation zwischen den hunden. wenn der hund beginnt am boden zu schnüffeln, nachdem sie ihn gerufen haben, sollten sie darüber nachdenken, ob ihr rufen oder ihre körperhaltung eventuell bedrohlich auf den hund gewirkt haben.





    bogen laufen / schlangenlinien gehen / kurven laufen
    wenn hunde aufeinander zurennen, dann nie schnurgerade. sie gehen einen bogen. deshalb sollten sie auch nie kerzengerade auf ihren/einen hund zugehen, das wäre unhöflich.





    schwanzwedeln
    wenn dieses zusammen mit einem beruhigungssignal auftritt, ist beides als EIN solches zu verstehen und bedeutet nicht (unbedingt), dass der hund gerade glücklich ist



    pinkeln
    sehr starkes beruhigungssignal. tritt auf, wenn z. b. ein hund einem anderen begegnet oder er erschnüffelt, dass ein großer hund kurze zeit vor ihm an dieser stelle vorbeigekommen ist. die schwierigkeit liegt aber darin, zu unterscheiden, ob jetzt markiert wird oder (sich selbst) beruhigt - pinkelduelle bei rüden.



    sich (ohne grund) kratzen
    starkes, beruhigungssignal, auch oft als "verlegenheitsgeste" zu deuten.



    hier beschwichtigt chris den fotografen




    pfote heben / pföteln
    d. h. der hund hebt z. b. im sitzen eine pfote an kann man gut nutzen, um dem hund "pfötchen geben" beizubringen



    splitten
    (= ein Hund versucht 2 streitende Hunde / Menschen / schmusende Menschen zu trennen, indem er sich zwischen sie drängt / stellt / setzt / legt).
    wird oft als eifersucht mißdeutet, dabei will der hund nur die situation entschärfen, die in seinen augen jeden moment explodieren kann.
    der Freddie hat mir DIESES beschwichtigungssignal vor nicht allzu langer zeit recht deutlich vorgeführt und das kam so:
    wir waren in einem lokal essen. unter dem tisch saßen mehrere hunde, von denen mich einer massiv angebettelt hat. er hat wirklich alles versucht, vom lieb schauen, wuffen, anstubsen bis hin zu massivem bedrängen. nachdem blosses ignorieren überhaupt nicht genutzt hat, hab ich ihn - ja, ich weiss, war blöd von mir - angeknurrt, worauf ER mich zähnefletschend ebenfalls angeknurrt hat. der Freddie hat sich einfach zwischen mich und den knurrenden hund gedrängt und sich hingesetzt. er hat dabei keinen von uns beiden angeschaut und er hat selber nicht gedroht - der andere hund ist gegangen.