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signale die beschwichtigen - "calming signals"
für das rudel des stammvaters unserer hunde, den wolf, ist es tödlich, wenn ein mitglied wegen irgendwelcher verletzungen
nicht an der jagd teilnehmen kann. aus diesem grund war es für wölfe essentiell nötig, signale zu entwickeln, durch die eine
offene auseinandersetzung zwischen den mitgliedern des rudels vermieden werden kann. diese signale hat der wolf an seine
nachfahren, die hunde, weitergegeben. es gibt neben den aggressionssignalen, welche durch drohen und demonstrieren von
stärke einen offenen kampf vermeiden sollen auch signale, die beschwichtigen oder beruhigen.
beschwichtigungssignale (CS) sind allgemein verständlich für alle hunde, sie können zwar von einzelnen tieren verlernt
werden, wenn ihre anwendung nicht zum erfolg führt, bzw. permanent vom besitzer ignoriert / unterdrückt wird, sie werden
aber ebenso schnell wieder erlernt, wenn der hund gelegenheit bekommt sie zu trainieren, denn sie gehören zum instinktiven
verhalten, zur körpersprache und sind angeboren.
es kann sein, dass ein bestimmtes CS gegeben wird, welches dann mit einem anderen CS beantwortet wird, denn es scheint so,
als hätten bestimmte hunde bestimmte "lieblings-CS", die sie immer wieder anwenden, während sie andere überhaupt nicht
benutzen.
interessant ist auch, dass auch blinde hunde CS anwenden, ebenso wie langhaarige hunde, deren augen vom fell verdeckt
sind.
wenn man die beschwichtigungssignale der hunde kennt, kann man in ihnen lesen wie in einem offenen buch. man sieht
hundebegegnungen oft mit anderen augen. die CS, die hunde menschen (z. b. ihrem besitzer) gegenüber anwenden, helfen oftmals ein
verhalten des hundes zu erklären, welches vorher völlig unverständlich war. auch kann man sein eigenes verhalten seinem
eigenen hund gegenüber
immer wieder gut überprüfen und gegebenenfalls ändern, wenn man ihn zu sehr bedrängt oder in machen situationen unbewusst
bedroht und/oder ihm angst macht, ohne dies eigentlich zu wollen.
man kann situationen im vorfeld entschärfen und somit verhindern, dass probleme im alltag überhaupt entstehen.
so sollte man z. b. immer genau beobachten, ob und wann hunde kinder beschwichtigen. hunde werden von kindern oft
ungewollt zu sehr bedrängt, von den ungeschickten patschehändchen wird ihnen wehgetan. beachtet man die
beschwichtigungssignale, hat der hund keinen grund, das kind anzuknurren oder sich gar durch schnappen oder beissen
selbst aus der für ihn ausweglosen situation zu befreien und es könnten wohl nahezu alle beissunfälle mit kindern
verhindert werden.
allerdings sind beschwichtigungssignale nicht immer als beschwichtigung gemeint. alle CS, z. b. am boden
schnüffeln, pinkeln usw., muss man im gesamtkontext betrachten, um sie richtig interpretieren und einortnen zu können.
manchmal senden hunde CS auch einfach so aus, so wie wir menschen uns z. b. aus verlegenheit am ohr kratzen.
beschwichtigungssignale selbst einsetzen kann man, indem man sich dem hund höflich nähert, einen bogen läuft, ihn nicht
direkt anstarrt, oder anlächelt (zähnefletscht). auch hilft es oft, sich seitlich abzuwenden oder in die hocke zu gehen,
um weniger bedrohlich zu wirken.
beim spazieren gehen an der leine kann man dem hund das leben erleichtern, indem die leine immer leicht durchhängt,
der hund nie an der straff gespannten leine herangezogen wird. man kann bögen laufen und ausweichmöglichkeiten lassen,
den eigenen körper zwischen den hund und die ihn verunsichernde situation - fremder hund, mensch, etc. bringen.
ganz wichtig: bei anäherung eines fremden hundes immer auf die beschwichtigungssignale des eigenen und des fremden hundes achten.
beschwichtigungssignale werden angewendet bei:
streit
hektik
stress
unwohlsein
sie beschwichtigen:
den hund selbst
andere hunde
menschen
tiere, auch beutetiere bei der jagd
calming signals / beschwichtigungssignale sind:
(erhebt keinen anspruch auf vollständigkeit)
wegschauen/augen-kontakt unterbrechen / kopf wegdrehen
hund dreht den kopf zur seite, meidet blickkontakt mit demjenigen, der beruhigt werden muss (besitzer/anderer hund o.ä.).
gelegentlich wird der kopf weggedreht, manchmal weichen auch nur die augen aus.
da direkter blickkontakt unter und bei hunden als unhöflich gilt, wird er sowieso vermieden und das wegschauen /
kopfwegdrehen ist ein sehr häufig gezeigtes beschwichtigungssignal.

sich ganz abwenden / den rücken zuwenden
der hund wendet die seite oder den rücken zu, oft beim schmusen, streicheln oder kraulen
"sieh her, ich wende dir meine ungefährliche seite zu (die ohne zähne), ich bin ganz friedlich, du kannst mich ruhig
streicheln..."
kopf senken
wird oft auch als "schlechtes gewissen" des hundes missdeutet - "der weiß genau, dass er was angestellt hat ..."
blinzeln, augen zusammenkneifen
passiert oft so schnell, dass man es nicht sieht. wird auch oft zusammen mit wegschauen und/oder kopf wegdrehen oder sich
über die schnauze lecken gezeigt.
sich die schnauze / nase lecken
ist wohl das häufigste beschwichtigungssignal, manchmal sieht man nur kurz die zungenspitze, manchmal wird deutlich
sichtbar über die schnauze geleckt. es wird oft in situationen angewandt, in denen der hund angespannt ist, z.b. wenn
man sich über ihn beugt oder gerade auf ihn zugeht.
langsame bewegungen / immer langsamer werden
dieses beruhigungssignal wird sehr oft missverstanden und löst beim menschen eine konträre reaktion aus, d. h. der
hund wird ermahnt schneller zu gehen. je mehr wir den hund jedoch dazu auffordern, umso langsamer wird er, da mensch
und hund aneinander "vorbeireden". dies ist wohl das typischste CS schlechthin, sieht man es doch bei jeder BH-prüfung,
wenn hunde bei der freifolge im fuß hinterher schleichen.
je gereitzter "mensch" nun reagiert und den hund beschleunigen will, desto langsamer werden dessen bewegungen werden,
bis hin zum völligen "einfrieren", erstarren.
spielposition einnehmen / spielverbeugung / -aufforderung / sich
albern aufführen / mit den vorderbeinen nach unten gehen - vorderkörpertiefstellung
oft wird es beim spielen benutzt, aber auch bei großen tieren, da hunde diese oft nicht einschätzen können. man sieht
dieses signal auch bei hunden oder wölfen, die ein beutetier - vor allem große - gestellt haben und damit sich und die
beute beschwichtigen.
dieses beschwichtigungssignal wird oft zusammen mit gähnen und/oder strecken gezeigt.
sich hinsetzen / hinlegen
man ruft seinen hund, er kommt ein stück näher, setzt oder legt sich dann hin; ungehorsamer hund? nein, der hund versucht
nur gute laune zu machen, man soll beruhigt werden - viele menschen merken dies aber nicht
gähnen
eines der meistbenutzten CS überhaupt. es kommt sehr oft vor, dass hunde in bestimmten situationen gähnen; dieses CS kann
man als mensch sehr gut benutzen, um angespannte situationen zu entschärfen - es wirkt zwar nicht sofort, aber eigentlich
immer.
scheinbar ziellos herumschnüffeln / am boden schnüffeln
wird ebenso oft missverstanden wie das immer langsamer werden. wenn der hund schnüffelt, während er auf einen artgenossen
zugeht, lassen sie ihn das tun. sollten sie es unterbinden, stören Sie die kommunikation zwischen den hunden. wenn der
hund beginnt am boden zu schnüffeln, nachdem sie ihn gerufen haben, sollten sie darüber nachdenken, ob ihr rufen oder
ihre körperhaltung eventuell bedrohlich auf den hund gewirkt haben.
bogen laufen / schlangenlinien gehen / kurven laufen
wenn hunde aufeinander zurennen, dann nie schnurgerade. sie gehen einen bogen. deshalb sollten sie auch nie kerzengerade
auf ihren/einen hund zugehen, das wäre unhöflich.
schwanzwedeln
wenn dieses zusammen mit einem beruhigungssignal auftritt, ist beides als EIN solches zu verstehen und bedeutet nicht
(unbedingt), dass der hund gerade glücklich ist
pinkeln
sehr starkes beruhigungssignal. tritt auf, wenn z. b. ein hund einem anderen begegnet oder er erschnüffelt, dass ein
großer hund kurze zeit vor ihm an dieser stelle vorbeigekommen ist. die schwierigkeit liegt aber darin, zu unterscheiden,
ob jetzt markiert wird oder (sich selbst) beruhigt - pinkelduelle bei rüden.
sich (ohne grund) kratzen
starkes, beruhigungssignal, auch oft als "verlegenheitsgeste" zu deuten.
hier beschwichtigt chris den fotografen
pfote heben / pföteln
d. h. der hund hebt z. b. im sitzen eine pfote an
kann man gut nutzen, um dem hund "pfötchen geben" beizubringen
splitten
(= ein Hund versucht 2 streitende Hunde / Menschen / schmusende Menschen zu trennen, indem er sich zwischen sie
drängt / stellt / setzt / legt).
wird oft als eifersucht mißdeutet, dabei will der hund nur die situation entschärfen, die in seinen augen jeden moment
explodieren kann.
der Freddie hat mir DIESES beschwichtigungssignal vor nicht allzu langer zeit recht deutlich vorgeführt und das kam so:
wir waren in einem lokal essen. unter dem tisch saßen mehrere hunde, von denen mich einer massiv angebettelt hat. er
hat wirklich alles versucht, vom lieb schauen, wuffen, anstubsen bis hin zu massivem bedrängen. nachdem blosses
ignorieren überhaupt nicht genutzt hat, hab ich ihn - ja, ich weiss, war blöd von mir - angeknurrt, worauf ER mich
zähnefletschend ebenfalls angeknurrt hat. der Freddie hat sich einfach zwischen mich und den knurrenden hund gedrängt
und sich hingesetzt. er hat dabei keinen von uns beiden angeschaut und er hat selber nicht gedroht - der andere hund
ist gegangen.
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