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http://www.hinsehen-statt-wegschauen.de/


was man sich VOR dem welpenkauf überlegen sollte


was will ich für einen hund?

  • welpe oder erwachsener hund?
  • rüde oder hündin?
  • rassehund oder mischling?
  • wenn rassehund, welche rasse?
  • wenn mischling, welche rassen sollten vertreten sein?
  • größe des hundes?
  • langhaarig oder kurzhaarig?
  • eher ruhig oder lebhaft?



was erwarte ich von meinem hund?

  • soll er im haus leben oder eher draußen?
  • muss er öfter und/oder länger alleine bleiben?
  • lebe ich zurückgezogen oder herrscht bei mir "leben inne bude"?
  • will ich einen anhänglichen hund oder einen eher selbständigen?



was möchte ich mit meinem hund machen?

  • nichts, er soll reiner familienhund sein
  • er soll kamerad der kinder sein
  • möchte ich auf ausstellungen gehen?
  • möchte ich hundesport machen?



sind meine erwartungen auch realitätsnah und sinnvoll?

  • wäre es sinnvoll, einen bernhardiner in einer zweizimmerwohnung im 4. stock ohne aufzug zu halten?
  • wäre es sinnvoll einen windhund mitten in der stadt zu halten, ohne dass man die möglichkeit hätte ihn auch mal rennen zu lassen?
  • wäre es sinnvoll, einen chihuahua zu kaufen, wenn man 5 lebhafte kinder hat?
  • macht es sinn, sich einen welpen einer arbeitsrasse zu holen - möglichst noch aus der leistungszucht - und von ihm dann zu erwarten, dass er sich perfekt in den haushalt von couchhockern einfügt?



bin ich über die bedürfnisse "meiner" rasse informiert? - WEISS ich überhaupt, für welche aufgaben "meine" rasse ursprünglich gezüchtet wurde?

  • jagdhunde neigen zum jagen
  • herdenschutzhunde haben einen starken wach- und schutztrieb
  • hütehunde brauchen nicht nur agility, bällchenwerfen oder radfahren
  • auch kleine hunde brauchen bewegung und entsprechenden auslauf, egal welcher rasse




wenn ich mir über diese fragen klar geworden bin,

wo bekomme ich "meinen" hund her?

  • NICHT vom hundehändler oder massenzüchter
  • NICHT im zoogeschäft
  • NICHT auf dem flohmarkt
  • NICHT auf autobahnraststätten und auch
  • NICHT aus der samstagszeitung, wo "preiswerte, süße welpen mit und ohne papiere" angeboten werden.


auch wenn einem die kleinen in der seele leid tun: jeder welpe oder hund, den man dort kauft, macht platz für einen neuen welpen.


bitte also keine mitleidskäufe!


am besten, man sucht sich einen guten züchter aus.
einen züchter, der sich schon im vorfeld - also schon vor der geburt - gedanken über die verpaarung der elterntiere gemacht hat. einen, der nicht nur wert auf schönheit legt, sondern vor allem auf gesundheit und agilität.

man kann es natürlich nicht verallgemeinern, aber meist züchtet ein guter züchter eine einzige rasse und sein rudel besteht nicht nur aus den zuchthündinnen, sondern er hat auch noch die hündinnen, die zu alt für die zucht sind. auch sie werden noch geliebt, beschäftigt und gepflegt. eventuell gibt es auch noch den einen oder anderen "rückläufer", hunde, die aus welchem grund auch immer, zurückgegeben wurden oder die der züchter selbst, vom neuen besitzer zurückgeholt hat. ein züchter, der seine exwelpen wieder aufnimmt, wenn sie probleme haben, gewinnt zumindest schon mal einen bonuspunkt.

ein guter züchter will alles über sie wissen, über ihre vorstellung von erziehung, hundehaltung, wie viel zeit sie für seinen welpen haben, was er an beschäftigung und bewegung bekommen soll, wie ihre wohnumgebung aussieht, wie wie auf diese rasse gekommen sind und so weiter und so fort. er sucht seine welpenkäufer aus, wie ein besorgter vater den freund seiner tochter unter die lupe nimmt.

sollte ein züchter einen welpen am telefon verkaufen wollen, ohne irgendwelche fragen zu stellen oder zu beantworten, obwohl er sie nicht kennt und sie natürlich auch nichts über die hündin, die welpen und die aufzucht erfahren, ist es besser, die finger davon zu lassen.

ein guter züchter erzählt nicht nur die positiven seiten, sondern er verschweigt auch nicht die "macken" der rasse nicht. ob starker jagdtrieb, neigung zu speziellen erbkrankheiten oder unverträglichkeit mit gleichgeschlechtlichen hunden oder ähnliches - er wird dahingehende fragen offen und ehrlich beantworten.

man sollte sich auch im klaren darüber sein, dass, wenn man sich für einen rassehund ohne VDH-papiere entscheidet, dieser nach den statuten der dem VDH angeschlossenen vereine ein mischling ist und bei allen hundesportveranstaltungen auch als solcher eingetragen wird. deutsche meisterschaften bleiben einem mit einem hund aus einem dissidenzverein versagt.

apropos papiere: es ist vom zuchtverband abhängig, ob die papier gleich mitgegeben werden, oder dem welpenkäufer zugeschickt werden. in manchen verbänden werden die papiere erst einige wochen nach der wurfabnahme dem züchter übersandt, welcher sie dann wiederum dem welpenkäufer zuschickt. bei welpen anderer rassen gibt es die papiere zum welpen dazu. wie auch immer der entsprechende zuchtclub es handhabt, man sollte immer nachfragen - idealerweisen schon bevor man sich zum kauf dieses einen bestimmten welpen von diesem einen bestimmten züchter entschlossen hat und zwar am besten gleich beim entsprechenden zuchtverband seiner traumrasse.
das gleiche gilt für die impfpapiere, welche gleich beim kauf mitgegeben werden. wenn der züchter sie einem nicht sofort mitgeben kann, existieren sie wahrscheinlich nicht und man erwirbt einen ungeimpften welpen mit allen risiken.

man sollte sich auf jedenfall immer die mutterhündin anschauen - im idealfall auch den vater, denn der bringt immerhin 50 % der gene mit ein. kein welpenkauf, wenn der züchter die mutter nicht vorweisen kann. wenn die mutterhündin ein bisschen (!) zerrupft aussieht, ist das nicht unbedingt ein zeichen für schlechte haltungsbedingungen, denn während der welpenaufzucht haaren die meisten hündinnen kräftig ab. außerdem sind 10 welpen auch ganz schön anstrengend.

falls möglich sollte man oft "seinen" welpen besuchen, denn man hat dann die unwiederbringliche gelegenheit, die entwicklung seines hundes mitzuerleben.

die welpen selbst sollten offen und freundlich sein und den besucher einer eingehenden untersuchung auf spielfestigkeit unterziehen. wenn alle welpen erstmal abstand wahren, dann aber bei erwiesener gefahrlosigkeit (oder abklärung durch die hündin) die welpeninteressenten mit beschlag belegen, ist das auch okay. überdurchschnittlich misstrauische oder desinteressierte welpen, oder gar solche, die schreiend die flucht ergreifen, sollten einen vom kauf absehen lassen. welpen sollten (außer direkt nach dem fressen) lebhaft sein, klare und glänzende augen haben und keinesfalls ein kotverkrustetes hinterteil. ein deutlich aufgetriebener bauch deutet auf wurmbefall hin! dass der welpe bei der abgabe nicht jünger als acht wochen sein sollte, sollte selbstverständlich sein. ebenso selbstverständlich sollte auch sein, dass sowohl die hündin als auch die welpen schon beim züchter regelmäßig entwurmt werden.

der welpenbereich selber sollte sauber sein, man sollte nicht den eindruck gewinnen, er sei eine woche nicht gesäubert worden. auf der anderen seite sollte der welpenbereich aber auch nicht klinisch rein sein - es dürfen auch schon mal ein bis zwei häufchen und verstreutes spielzeug und zerrupftes papier oder lappen zu sehen sein. der auslauf sollte nicht eine sauber gekachelte wanne sein, sondern elemente zum spielen und lernen für die welpen enthalten, quasi ein abenteuerspielplatz für hunde sein. es ist durchaus von vorteil, wenn die welpen nicht nur im garten aufwachsen, sondern die normalen geräusche des haushalts kennen, wenn ihnen also staubsauger und waschmaschine schon bekannt sind.

sie werden jetzt vielleicht meinen, dass dies alles übertrieben ist, man will ja schließlich "nur einen hund kaufen", aber ein hund ist ein mitglied der familie, wenn alles gut geht, verbringt er die nächsten 12 oder mehr jahre mit ihnen. schlechte aufzuchtverhältnisse prägen den welpen und er kann schon verloren haben, bevor sein leben richtig beginnt. das kann bedeuten, dass man die nächsten 12 oder mehr jahre mit einem angstbeißer oder einem sonst sozial nicht intakten, körperlich wie seelisch nicht belastbaren hund verbringen muss. welchen stress dies bringt, kann man sich vorher nur schwer vorstellen. ein sozial sicherer, gut aufgezogener welpe ist ein "erziehungskapital", das mit geld fast nicht aufzuwiegen ist!

welpen aus massenzucht oder hundehandel haben oft eine charakteristische "karriere": man nimmt sie mit nach hause, sie bekommen durchfall, müssen sich übergeben. was man am am kaufpreis gespart hat, legt man dann umso mehr beim tierarzt hin, wenn der welpe nicht geimpft und verwurmt ist, er tagelang an infusionen hängt oder gar nach ein paar tagen stirbt.

ein hund, der während seiner prägungsphase (etwa bis zur siebten woche) nicht oder zu wenig mit menschen in kontakt gekommen ist, wird selbst mit größter anstrengung seiner besitzer nie ein völlig entspanntes verhältnis zu menschen entwickeln.


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